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Foto SteinDonnerstag, dem 7. 2. 2019, erlebten Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Geschichte der Q2 sowie einige Gäste eine ganz besondere Unterrichtsstunde am Hardtberg-Gymnasium. Im Rahmen des von der Fachschaft Geschichte initiierten Zeitzeugenprojekts zur Geschichte der DDR besuchte der aus Theater, Fernsehen und Kinofilmen wie „Good Bye, Lenin!“ bekannte Bonner Schauspieler Jochen Stern den Abiturkurs, um über seine Erlebnisse in der Nachkriegszeit zu berichten.


Jochen Stern, welcher der älteren Generation noch als Nachbar Koslowski aus der Kult-Serie „Ein Herz und eine Seele“ bekannt ist, erzählte eindringlich und mit Verve über seine Erlebnisse in der Sowjetischen Besatzungszone und in der frühen DDR. Aufgrund ungeklärter Umstände war der 1928 geborene Jochen Stern 1947 vom sowjetischen NKWD ohne nähere Angabe von Gründen in seinem Wohnhaus in Frankfurt an der Oder verhaftet worden. Zu diesem Zeitpunkt war er erst 19 Jahre alt. Es folgte eine Odyssee durch etliche Verhöre und eine fast einjährige Untersuchungshaft. 1948 wurde er dann aufgrund einer angeblichen Zugehörigkeit zu einer Spionageorganisation und wegen vermeintlicher antisowjetischer Propaganda zu einer 25-jährigen Haftstrafe verurteilt. Ohne dass seine Angehörigen zunächst etwas über seinen Verbleib wussten, war der Junglehrer und angehende Schauspieler mehrere Jahre in Bautzen inhaftiert. 1954 wurde er aufgrund einer Amnestie vorzeitig in die Bundesrepublik entlassen. Später kam er zum Jurastudium nach Bonn und gelangte u. a. über die Studentenbühne zum Theater.
Gebannt lauschte das Publikum zunächst seinen Schilderungen der unmenschlichen Verhörmethoden und der Haftbedingungen für politische Häftlinge in den sowjetischen Gefängnissen und Speziallagern, die später von der DDR übernommen wurden. Im Anschluss an den Zeitzeugenvortrag hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit Jochen Stern ins Gespräch zu kommen. Auf die Frage, wie er die Lagerzeit überstanden habe, berichtete der Schauspieler, dass die Auseinandersetzung mit (erinnerter) Literatur und das Memorieren einstudierter Rollen und Texte ein besonders wichtiger Halt für ihn gewesen seien.
Am Ende gab Jochen Stern den Abiturientinnen und Abiturienten mit auf den Weg, sich darüber bewusst zu werden, dass das Leben in einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie ein hohes Gut und nicht selbstverständlich sei; auch ihre Generation trage Mitverantwortung für deren Bestand und Weiterentwicklung. Auf die Frage einer Abiturientin, welchen konkreten Tipp er ihnen mit auf den Weg gebe, riet Stern den Schülerinnen und Schülern zu gesellschaftlichem Engagement – sei es beispielsweise in einer politischen Partei oder ebenso in einem anderen Rahmen. Er selbst etwa – so der Träger des Bundesverdienstkreuzes – sehe es als seine Verpflichtung an, über die von ihm erlebte Geschichte zu informieren und dadurch zur Erinnerungskultur beizutragen.

Der Besuch von Jochen Stern war Teil einer Veranstaltungsreihe, bei der von Anfang Januar bis Anfang Februar 2019 Zeitzeugen, die als politische Häftlinge in der DDR inhaftiert waren, in die Geschichtskurse des Abiturjahrgangs eingeladen wurden. Die wissenschaftlich begleiteten und moderierten Zeitzeugengespräche fanden in Kooperation mit einem Projekt des Instituts für Deutschlandforschung der Ruhr-Universität Bochum statt. 

Dr. Andrea Schallenberg

 

Auch Andreas Herzog erzählte über seine Erfahrungen in der DDR

Herr Herzog beschrieb seine Kindheit und Jugend in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die einerseits geprägt von Überwachung und Manipulation von Seiten der Regierung, andererseits aber auch spannend und ganz „normal“ war . Sein Versuch, über die Tschechoslowakei nach Westdeutschland zu flüchten, wurde bereits an der Grenze verhindert und er wurde, gemeinsam mit seinem Freund, zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Im Gefängnis traf er dann auf unterschiedliche Persönlichkeiten aus allen Schichten der DDR-Gesellschaft. Dies – so berichtete Herr Herzog – verschaffte ihm einen Einblick in unterschiedliche Bereiche der DDR. Auch las er viel und entdeckte so seine Liebe zur Literatur. Nach seiner Gefängniszeit konnte er kurze Zeit später legal die DDR verlassen.

Herr Herzog gab uns einen umfangreichen Einblick in seine Lebensgeschichte, verschwieg auch nicht eigene Fehlentscheidungen und Schwächen.